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Maikundgebung in Bendorf 2012 Maria Rinke spricht – „Schlecker“ wird Thema PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Dienstag, 10. April 2012 um 10:35

ur traditionellen Maikundgebung laden die DGB-Gewerkschaften in Bendorf wie gewohnt am Freitag vor dem 1. Mai ein.

Die Veranstaltung findet statt am

 

Freitag, 27. April 2012, um 18.00 Uhr in der Gaststätte „Stadt Bendorf“

Hauptstr. 88, 56170 Bendorf

 

Die Hauptrednerin wird dieses Mal aus aktuellem Anlass, aufgrund der Schließung von Schlecker in der Innenstadt, ver.di Sekrteärin; Maria Rinke sein, die für die Schleckerfrauen im ver.di-Bezirk Koblenz zuständig ist. 2010 gewann der von ihr betreute Schlecker Betriebsrat Mayen-Remagen den Deutschen Betriebsrätepreis in Gold. Zusammen mit ihr hat der Betriebsrat die „Rote-Karten-Aktion“ ins Leben gerufen, welche bundesweit Nachahmung fand und Leiharbeit bei der Firma Schlecker an den Pranger stellte.

 

Musikalisch umrahmt wird die Veranstaltung von dem Gesangs- und Gitarrenduo „Becker & Becker“.

 

Die Veranstaltung ist öffentlich, Gäste willkommen. Weitere Informationen und Anmeldungen sind über Willi Böhm (02622/5118) oder per E-Mail möglich: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.

 
Zum Tode von Annemarie Renger Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Dienstag, 11. März 2008 um 12:59

„Wir haben Sie geliebt!“

Zum Tode von Annemarie Renger

 

von Ferhat Cato*

 

 

 

 

Sie war die große alte Dame der Deutschen Arbeiterbewegung. Und
Sie war eine von uns, Mitglied in einer DGB-Gewerkschaft seit über
60 Jahren. Und der Sozialdemokratie.

 

Als erste Frau im zweithöchsten Staatsamt der II. deutschen Republik,
musste Sie sich bewähren. Und Sie tat es mit Bravur.

 

Es war eine Klasse-Geburt im Deutschland der Klassengesellschaft
1919: Fichtestraße 36, Leipzig, Haus des Arbeiter-Turn- und
Sportbundes. Annemarie Wildung wird in Leipzig als fünftes Kind
in einer Familie mit sozialdemokratischer Tradition geboren. Ihr
Vater ist zeitweise Stadtrat in Leipzig und Chefredakteur der
"Arbeiter-Turnzeitung".

 

Daraus erwuchs ein hoch politisches Leben der
Sozialdemokratin Annemarie Renger.

 

Von 1953 bis 1990 war sie Mitglied des Deutschen Bundestages.
Nachdem die SPD nach der Bundestagswahl 1972 erstmals die
stärkste Fraktion stellte, wurde sie am 13. Dezember 1972 als
erste Frau in das Amt des Präsidenten des Deutschen Bundestages
gewählt und übte dieses Amt bis 1976 aus. Danach war sie 14
Jahre Parlaments-Vizepräsidentin. Als es um das zweithöchste
Staatsamt ging, hatte Sie sich übrigens vor versammelter
"Mann"schaft selbst dazu vorgeschlagen. Das war typisch,
Annemarie Renger.

 

Sie war auch die erste Frau, die 1979 für das Amt des
Bundespräsidenten kandidierte, aber hatte bei den
Mehrheitsverhältnissen in der Bundesversammlung
keine Chance (1979) gewählt zu werden.

 

Ich war 1972 gerade mal 12 Jahre alt. Wir waren Arbeiterkinder,
unsere Väter stolze Proletarier, Feminismus existierte nicht und
die "Alten" sprachen eher derb beim "Thema Frau", als dass man
es als eine gleichberechtigte Diskussion hätte begreifen können.
Damals merkte ich erstmals, dass Sie jemand Besonderes sein
musste - die Frau Bundestagspräsidentin. Obwohl Kind, sah
ich wie unsere Väter und Großväter, plötzlich eine andere
Stimmlage und Haltung einnahmen, wenn Sie sprach - oder
im Fernsehen zu sehen war. Die Patriarchen standen plötzlich
stramm. Ich konnte es als Kind nicht einordnen, aber ich wusste,
diese Frau ist außergewöhnlich. Bei einer Feier aus Anlass des
70.Geburtstag von Helmut Schmidt lernte ich Sie dann persönlich
kennen. Ich bat um ein gemeinsames Foto und Sie
legte den Arm um mich und flunkerte: "Jung', wenn Du meinst,
das Dir das nutzt, machen wir das gerne.“

 

Als Sie dann mehr als ein Jahrzehnt später (2002) auf einer
Gewerkschaftsveranstaltung, inzwischen 82jährig, in unserem
Ratsaal auftrat, hatte Sie nichts von ihrem Charisma und
Charme eingebüsst. Der Ratssaal quoll über vor Menschen,
die Sie life erleben wollten.

 

Sie sprach wie immer - streitbar, Sie las der Politik die Lewiten
und erzählte von früher ("Wir glaubten noch an eine bessere Welt").

 

Das Foto ihrer frühen politischen Jahre, als Privatsekretärin
von Kurt Schumacher, ging durch die Welt: Schumacher,
den die Nazis nie brechen konnten, aber der gezeichnet und
gesundheitlich angeschlagen war vom langen Aufenthalt im KZ,
stützt sich seine junge Mitarbeiterin und neben Ihm
Erich Ollenhauer, der ihm dann als SPD-Vorsitzender folgte.
Das Foto ist eines der bedeutendsten politischen Fotos des
letzten Jahrhunderts geworden - vielleicht nach Willy Brandts
Kniefall-Foto im Warschauer Ghetto, das zweitberühmteste
im Nachkriegsdeutschland.

 

Als die Veranstaltung im Rathaus zu Ende war, verließ niemand
den Ratsaal. Fast alle Zuhörer bildeten eine Schlange, weil
Sie ihr die Hand geben wollten, Ihr danken wollten, um ein
Autogramm baten oder einfach nur ihre Bewunderung für Sie zum
Ausdruck bringen wollten. Es war sehr bewegend.

 

Später am Abend, als wir in meinem SPD-Ortsverein mit
politischen Freunden zu Abend gegessen haben und zum
Nachtisch Arbeiterlieder sangen, da lächelte Sie wie in ihrer
Jugend und stieß fast überschwänglich aus: "Dass es das
noch gibt und dass die Jüngeren die alten Lieder noch kennen,
freut mich sehr. Ich dachte, die spielen alle nur noch Golf." Wir
haben herzlich gelacht.

 

Sie fühlte sich wohl und wir spürten jeden Moment, dass wir
einen wahrhaften "Ehren-"Gast bei uns hatten, und in dem
kleinen Koblenzer Lokal wehte der "Hauch der Geschichte."

 

Annemarie Renger war eine streitbare Person und sie stritt für
ihre Überzeugungen. Trotzdem hatte sie großes Ansehen über alle
politischen Lager hinweg. Sie war eine aufrechte Demokratin, im
besten Sinne des Wortes.

 

Vorletztes Jahr wollte Sie noch mal nach Belgrad, nach Serbien,
von wo ihr 2. Mann stammte. Sie lud mich ein, mitzukommen und
sagte: "Das will ich noch mal machen, um auch das Kapitel
abzuschließen." Sie hat es nicht mehr geschafft.

 

Auch wenn ich mit Ihr "per Du" war, hatte ich immer größten
Respekt vor Ihr behalten. Sie war wahrlich eine große Dame,
mit ihrer cremefarbenen Handtasche und dem alten Mercedes
Coupé, Baujahr 1959.

 

Und für die, die Sie näher kennenlernten, für die darf ich sagen:
"Wir haben Sie geliebt!"

 

Was bleibt? Sie war eine von uns Gewerkschaftern.
Und Sozialdemokratin "alten Schlages".

 

Ihre persönliche Geschichte ist die Geschichte der
Arbeiterbewegung und Frauen in unserer Republik, ihres
Kampfes um Teilhabe an den Chancen und Möglichkeiten, die
das Grundgesetz uns bietet.

 

Die Republik hat ihr unendlich viel zu verdanken.

 

Und wir Lebenden gehen diesen Weg weiter.
Damit ehren wir Sie am meisten.

 

 

* der Autor ist DGB-, Personalrats- und SPD-Vorsitzender in

Bendorf/Koblenz

 

 

 

Fotos: Archiv der Sozialen Demokratie/Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn
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Warnstreik 5.3.08 in Koblenz – Jesuitenplatz Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Mittwoch, 05. März 2008 um 02:17

Grußwort/Rede

Ferhat Cato (Personalrats- und DGB-Vorsitzender Bendorf/Rhein)

Warnstreik 5.3.08 in Koblenz – Jesuitenplatz

 

Liebe Kolleginnen,

liebe Kollegen,

 

8 Prozent

die sollen’s sein,

weil wir haben kein Konto

in Liechtenstein.

 

Liebe Kolleginnen,

liebe Kollegen,

 

ich freue mich, dass wir so viele sind – mehr als Tausend – und noch mal uns im Vergleich zum Warnstreik in Mayen, steigern konnten.

Ich danke gleichermaßen den Kolleginnen und Kollegen der Komba, der GEW, den Unorganisierten und ver.dianeren, die hier zusammenstehen für unsere Forderungen.

Ich freue mich auch, dass unsere doch eher kleine Verwaltung in Bendorf mit 42 Teilnehmern überdurchschnittlich gut hier vertreten ist.

 

Warum bedanke ich mich?

Es ist keine artig daher gesagte Floskel, sondern das Wissen um die Geschichte aller Arbeitskämpfe.

 

Alle sozialen Errungenschaften, die unsere Eltern und Großeltern uns vererbt haben, wurden diesen nicht geschenkt, sondern sie haben diese in harten sozialen Konflikten erkämpfen müssen:

 

- Die 60 Stundenwoche

- die 48 Stundenwoche

- der freie Sonntag

- die 40 Stundenwoche

- der freie Samstag

- die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall

- das Urlaubsgeld

 

und vieles mehr.

 

Nichts wurde uns geschenkt!

Alles musste erkämpft werden!

 

Und deshalb muss man denen die am Arbeitsplatz geblieben sind deutlich sagen, dass sie sich nicht wundern brauchen, wenn Ihnen und uns alles wieder weggenommen wird, wenn sie verschämt wegschauen, statt sich in diese Solidarität mit uns einzureihen, denn wir stehen ja für alle hier.

 

Im Solidaritätslied von Brecht und Eisler heißt es deshalb zu Recht: „Wer im Stich lässt seinesgleichen, lässt ja nur sich selbst im Stich.“

 

Von oben wurde Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern NIE etwas geschenkt.

 

Es gibt nur eine einzige soziale Errungenschaft, die wir dem preussischem Militär verdanken – und das ist die Einschränkung der Kinderarbeit im 19. Jahrhundert. Das geschah nicht aus der Einsicht, wie menschenverachtend jene Militärdiktatur war, die man heute so liebevoll das „Wilhelminische Zeitalter“ tituliert. Der soziale Fortschritt erfolgte, weil die Armeeführung sich bei Bismarck beklagte, dass oftmals 18jährige Rekruten, die eingezogen wurden, schon Krüppel durch Kinderarbeit waren und deshalb kaum mehr im Stande, fürs Vaterland und gegen den damaligen Erzfeind, den Franzose („Franzmann“) zu kämpfen – und fürs Vaterland zu sterben.

 

Lasst mich hinzufügen, dass in Deutschland es erst ein Menschenleben her ist, dass Frauen überhaupt wählen dürfen (1918/1919) – und die Männer die vorher wählen durften, unterlagen dem 3 Klassenwahlrecht, das nach der Höhe, die jemand Steuern zahlte, definierte, wie viel Stimmen er hatte. Der alte Krupp hatte deshalb mehr Stimmen als 4.000 Kruppianer in seinem Werk.

 

Ich könnte die Liste dessen was erkämpft wurde endlos weiter aufzählen, aber möchte es bei zwei Beispielen bewenden lassen

 

Nochmal: Nichts wurde uns geschenkt. Alles wurde erkämpft. Und deshalb wird es auch diesmal so sein, dass wir nur das bekommen, was wir auch durch Stärke und Solidarität durchsetzen können.

 

Deshalb sage ich erneut:

 

8 Prozent

die sollen’s sein,

weil wir haben kein Konto

in Liechtenstein!

 

Ich hatte die Ehre vor einem Jahr beim Streik der Telekom’ler ein Grußwort vor der Herz-Jesu-Kirche zu sprechen und die Unterschriftenliste unserer Belegschaft, d.h. derjenigen, die sich mit dem Kampf der Telekom-Kollegen identifiziert haben, zu überbringen.

 

Manche Telekomler schauten zunächst fragend, was macht ein Personalrat aus Öffentlichen Dienst bei Ihnen?

 

Wir haben das schnell geklärt, weil ich Ihnen gesagt habe, dass denen von uns in der Verwaltung, die sich mit Ihnen solidarisch erklärten, eines klar war:


Wenn bei der Telekom die Dämme brechen, soziale Errungenschaften gekippt werden, dann wissen wir alle, dass dann irgendwann auch unsere Standards fallen.

Alles hängt zusammen!

 

Und ich habe damals hinzugefügt, dass wir 2008 dran sein werden und dass sie als Telekom’ler dann mit uns solidarisch sein sollen und widersprechen sollen, wenn jemand am Tresen, im Verein, am Arbeitsplatz oder sonst wo über die „Faulenzer aus dem Öffentlichen Dienst“ schimpft – und dass sie entgegnen sollen, dass das Kolleginnen und Kollegen wie Sie sind, die den Müll wegbringen, das Schwimmbad öffnen, die Standesbeamtin, die Erzieherin im Kindergarten, Krankenschwester, Bundeswehrbediensteter, und, und, und.

Und erst wenn wir diese Klammer schaffen, dass wir uns nicht gegeneinander ausspielen lassen, dann werden wir gewinnen.

 

Nochmal: Alles hängt zusammen!

Und die Klammer heißt Solidarität!

 

Nicht umsonst hat Kurt Tucholsky schon 1921 beklagt:
„International ist nur das Kapital und das Verbrechen organisiert!“

 

Andersherum: Warum hat denn die IG Metall über 5% vor wenigen Tagen abgeschlossen?

Warum ist es meist so, wenn entscheidende Kämpfe zu führen sind, dass wir die Metaller vorschicken? Ja, vorschicken müssen?

Weil wir wissen, dass sie in vielen Betrieben 80, 90 und mehr Prozent organisierte Arbeitnehmer haben und deshalb meist als Speerspitze der Arbeitnehmerbewegung fungiert haben.

 

Kam die Metall durch, wussten wir alle, dass wir entlang der Furche, die sie geschlagen hat –

auch was abbekommen. Kamen die Metaller mit ihren Forderungen nicht durch, wussten wir, dass es eher eine Verteidigungsschlacht sein wird.

 

Deshalb haben wir ja diesmal Grund zum Optimismus.

Das was die Kolleginnen und Kollegen in der freien Wirtschaft erkämpfen, wollen wir auch

haben!

8 Prozent

die sollen’s sein,

weil wir haben kein Konto

in Liechtenstein!

Wir wissen von unseren Müttern und Vätern aus der Arbeiterbewegung:

„Wer kämpft, kann auch verlieren.

Wer nicht kämpft, hat schon verloren!“

Ich danke Euch für eure Aufmerksamkeit!

 

Glück auf!

 

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